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125. Perikopengesetz

Vom 6. April 1979

(Abl. 48 S. 419), geändert durch Kirchl. Gesetz vom 8. Juli 2004 (Abl. 61 S. 137) und vom 25. November 2015 (Abl. 67 S. 1, 8)

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und
126. Ausführungsbestimmungen1#
Vom 22. Mai 1979 (Abl. 48 S. 419), geändert durch Verordnung vom 9. Januar 1996 (Abl. 57 S. 34)
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Die Landessynode hat das folgende kirchliche Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
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§ 1

( 1 ) Die in der Anlage 1 zu diesem Gesetz enthaltenen sechs Reihen von Schriftabschnitten und die Württembergische Reihe (Marginaltexte) bilden die ordnungsmäßigen Texte für die Predigt in den Hauptgottesdiensten an den Sonn- und Festtagen sechs aufeinanderfolgender Kirchenjahre.
1.1
Die Texte der Württembergischen Reihe (Marginaltexte) stellen ein zusätzliches Angebot für den Prediger dar. Wird ein Text aus dieser Reihe gewählt, so tritt er an die Stelle des betreffenden Textes aus den Reihen I bis VI. Angesichts des Gewichtes der Texte in der Württembergischen Reihe soll angestrebt werden, daß im Ablauf der sechs Perikopenjahrgänge möglichst alle Texte dieser Reihe einmal gepredigt werden. Wenn ein Marginaltext gepredigt wird, sollte dies der Gemeinde vorher in geeigneter Weise bekanntgemacht werden.
1.2
Bei Kanzeltausch ist darauf zu achten, daß nicht mehr als nötig von der Ordnung der Predigttexte abgewichen wird. Die Gemeinde sollte über Verschiebungen in der Ordnung vorher unterrichtet werden.
( 2 ) Wird an Sonn- und Festtagen außer dem Hauptgottesdienst ein weiterer Gottesdienst gehalten, soll, wenn im Hauptgottesdienst ein Text der Reihe I gepredigt wird, in dem anderen Gottesdienst der Text aus der Reihe II gewählt werden und umgekehrt; entsprechendes gilt für die Reihen III und IV, ebenso für die Reihen V und VI. Es kann auch die Württembergische Reihe herangezogen werden.
( 3 ) Den Predigten am letzten Sonntag nach Epiphanias und an den letzten drei Sonntagen des Kirchenjahres liegen die Perikopen dieser Tage zugrunde, gleichviel, welche Sonntage des Kirchenjahres in der Epiphanias- bzw. Trinitatiszeit wegen des wechselnden Ostertermins ausfallen.
( 4 ) Der Oberkirchenrat kann für besondere Tage andere Predigttexte wählen, die an die Stelle der in der Anlage zu diesem Gesetz enthaltenen Texte treten.
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§ 2

( 1 ) Die in der Anlage 1 zu diesem Gesetz für die Konfirmation, das Erntedankfest, das Kirchweihfest und das Reformationsfest vorgesehenen Texte treten an die Stelle der für die Sonntage, auf die diese Feste fallen, jeweils genannten Perikopen.
2.1
Werden in einer Gemeinde mehrere Konfirmationen gehalten, so ist nach § 3 zu verfahren.
( 2 ) Die für den Michaelistag genannten Texte können, wenn dieser Tag auf einen Sonntag fällt, an die Stelle der betreffenden Sonntagsperikope treten.
( 3 ) Finden an den übrigen Feiertagen, vor allem an Aposteltagen, Gottesdienste statt, können die für diese Tage genannten Texte gepredigt werden.
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§ 3

In begründeten Ausnahmefällen, vor allem wenn besondere Verhältnisse es erfordern, kann anstelle des in der Anlage 1 zu diesem Gesetz vorgesehenen Textes ein anderer biblischer Text gewählt werden.
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§ 4

Abgesehen von den Festzeiten kann im Einvernehmen mit dem Kirchengemeinderat, in Verbundkirchengemeinden mit dem Verbundkirchengemeinderat, und nach Unterrichtung der Gemeinde an aufeinanderfolgenden Sonntagen eine Textfolge gepredigt werden. Diesen Predigten sind zusammenhängende Abschnitte eines biblischen Buches oder eine Auswahl von biblischen Texten zu bestimmten Fragen des Glaubens und der Kirche zugrunde zu legen.
4.1
Der reformatorische Brauch von Reihenpredigten über Lehr- bzw. Katechismusstücke ist in diese Regelung eingeschlossen. Auch bei Katechismuspredigten ist der Bezug zu biblischen Texten herzustellen.
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§ 5

( 1 ) Der Predigt bei den Passionsandachten in der Karwoche liegt die Leidensgeschichte zugrunde. Aus ihr können einzelne Abschnitte ausgewählt werden. Ebenso kann unter Abgehen von den vorgeschriebenen Perikopen in den Gottesdiensten am Gründonnerstag und Karfreitag verfahren werden.
( 2 ) In den Hauptgottesdiensten wird in der Regel von Reminiszere bis Ostermontag in einem vom Oberkirchenrat festgelegten Wechsel fortlaufend die Leidens- und Auferstehungsgeschichte nach Matthäus und Johannes gepredigt. Die Continuatexte treten in diesen Jahren an die Stelle der sonst für die betreffenden Tage in der Anlage 1 zu diesem Gesetz genannten Perikopen.
5.1
Die in der Württembergischen Reihe vorgesehenen Continuatexte der Leidens- und Auferstehungsgeschichte nach Matthäus und Johannes treten vom Sonntag Reminiszere bis zum Ostermontag in folgendem Wechsel an die Stelle der Reihen I bis VI:
Im ersten Durchgang der sechs Predigtreihen tritt an die Stelle der Reihe I der Continuatext nach Matthäus und an die Stelle der Reihe IV der Continuatext nach Johannes. Im zweiten Durchgang tritt an die Stelle der Reihe II der Continuatext nach Matthäus und an die Stelle der Reihe V der Continuatext nach Johannes. Im dritten Durchgang tritt an die Stelle der Reihe III der Matthäus-Continuatext und an die Stelle der Reihe VI der Continuatext nach Johannes. Im vierten Durchgang tritt an die Stelle der Reihe IV der Continuatext nach Matthäus. Im fünften Durchgang tritt an die Stelle der Reihe I der Continuatext nach Johannes und an die Stelle der Reihe V der Continuatext nach Matthäus. Im sechsten Durchgang tritt an die Stelle der Reihe II der Continuatext nach Johannes und an die Stelle der Reihe VI der Continuatext nach Matthäus. Im siebten Durchgang tritt an die Stelle der Reihe III der Continuatext nach Johannes. Ab dem achten Durchgang wiederholt sich der vorstehende Wechsel (vgl. Anlage 2).
5.2
Der Prediger kann innerhalb eines langen Continuatextes nach eigenem Ermessen Schwerpunkte in der Auslegung des Textes setzen.
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§ 6

( 1 ) Die Schriftlesungen sollen sich dem Ganzen des vom Kirchenjahr bestimmten Gottesdienstes einfügen. Wird an einem Sonntag für die Predigt ein anderer als der in der Anlage 1 zu diesem Gesetz genannte Text gewählt, soll der ausfallende Text nach Möglichkeit als Schriftlesung dienen.
( 2 ) Liegt der Predigt ein Evangelientext zugrunde, soll die Schriftlesung ein epistolischer oder alttestamentlicher Abschnitt sein. Wird eine Epistel oder eine alttestamentliche Lektion gepredigt, soll für die Schriftlesung ein Text aus den Evangelien gewählt werden.
( 3 ) Wird in den Gottesdiensten am Gründonnerstag und Karfreitag ein Perikopentext gepredigt, der nicht aus der Passionsgeschichte genommen ist, soll die Passionsgeschichte für die Schriftlesung herangezogen werden.
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§ 7

Dieses Gesetz tritt am Tage nach seiner Verkündung in Kraft. Das Perikopengesetz vom 21. November 1957 (Abl. Bd. 38 S. 5) tritt außer Kraft.
Anlagen
Red. Hinweis: Hier nicht abgedruckt.

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1 ↑ Red. Anm.: Die Bestimmungen der Ausführungsverordnung, die vom Oberkirchenrat aufgrund von § 25 der Kirchenverfassung beschlossen wurden, sind hinter den sie betreffenden Absätzen der Paragraphen des Gesetzes (eingerückt) abgedruckt.